Nach einmaligen Alkoholkonsum wieder abhängig?

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Matabenem
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Re: Nach einmaligen Alkoholkonsum wieder abhängig?

Beitrag von Matabenem »

Space Lord hat geschrieben: 15.09.2026 - 11:31
CarlosCumstar hat geschrieben: 15.09.2026 - 10:54
Der Alkohol ist da. Er ist überall um mich herum. Ich kann ihm aus dem weg gehen, aber ich sehe ihn trotzdem immer.
Ja ich weiß, unsere Gesellschaft ist geradezu besessen von Alkohol.
Bei mir war aber irgendwann der Punkt erreicht an dem mich das eher motiviert hat anstatt es mir schwer zu machen.
Dieser alkoholisierten Gesellschaft den Mittelfinger zu zeigen kann durchaus Spaß machen.
Aber meine 2 leichte am abend sind mir echt eine lebensquali bereicherung.
Vermutlich kennst du die ganzen Argumente, aber diese zwei Leichtbiere reichen aus, um deine Schlafqualität deutlich zu verschlechtern. Du wachst am nächsten Tag definitiv unerholter auf, der Cortisolpegel ist erhöht und dein Gehirn regelt auch bei moderatem Dauerkonsum den Dopaminpegel runter (Homöostase). Der nächste Tag wird also anstrengender und du bist dann Abends erschöpft und die zwei Leichtbiere fegen das alles sehr zuverlässig weg. Dein Gehirn macht dann einen Lernfehler und verbindet die zwei Leichtbiere mit Entspannung und Lebensqualität, dabei sind sie die Ursache dass du sie überhaupt trinken musst.
Zumindest bei mir habe ich festgestellt, dass Alkoholkonsum nur dann wirklich Spaß macht, wenn man regelmäßig (auch moderate Mengen) trinkt. Hat sich dein Gehirn erstmal dran gewöhnt, nicht mehr regelmäßig manipuliert zu werden, dann empfinden die meisten die Wirkung von Alkohol eher als Vergiftung und nicht als Entspannung oder Lebensqualität. Schon alleine die motorische Beeinträchtigen sind äußert unangenehm wenn man sie nicht mehr gewohnt ist.
Das einzige was wirklich hilft ist eine komplette Neubewertung dieser Droge. Anstatt sie als ein angenehmes Entspannungsmittel zu bewerten sollte man sie als ein Zellgift betrachten, welches nichts im Körper verloren hat. Dann geht es auf einmal sehr einfach und man vermisst überhaupt nichts.
Für mich bedeutet Lebensqualität, dass ich morgens in den Spiegel schauen kann ohne zu denken "nicht schon wieder", ein gesundes Selbstwertgefühl ist unbezahlbar. Sonntag morgen spazieren gehen anstatt jammernd im Bett zu liegen ist ebenfalls Lebensqualität. Mein erhöhter Blutdruck ist genauso verschwinden wie mein Prädiabetes und die Fettleber. Meine Psyche ist viel stabiler geworden weil es nicht immer dieses Auf und Ab zwischen Rausch und Kater gibt. Und so weiter und so fort.

....

Wie du mit Alkohol umgehst musst du natürlich selbst entscheiden.
Sollte die Nachteile größer sein als die Vorteile, dann ist eine Abstinenz absolut der einfachste Weg.
In meinem Fall fand ich die Auswirkungen auf die Psyche viel schlimmer als die körperlichen.
Ich war nie körperlich abhängig, konnte immer Pause machen, hab nur nach Feierabend getrunken und fast nur Bier. Das ganze aber halt 36 Jahre lang.
Hab dabei verlernt meine Emotionen zu regulieren und hatte am Ende eine Depression von dem Mist. Meine Ehe hat es auch sehr belastet, wer regelmäßig Alkohol trinkt wird dünnhäutig, empfindlich und voller Selbstmitleid.
Bin einfach nur froh, dass ich mich nicht mehr regelmäßig vergiften muß um mir vorzumachen, dass das irgendwas mit Genuß oder Spaß zu tun hat.
Erstmal: Ich habe das selbe Trinkmuster wie du. Nur nach Feierabend, nur Bier und keine körperliche Abhängigkeit. Trinke täglich meine 2-3 Feierabendbier. Manchmal sind es 4, manchmal nur 1 und alle 1-2 Wochen mache ich für 1-2 Tage Pause. 1-2 Mal pro Woche kiffe ich dazu. Das ist definitiv riskant und eigentlich scheiße. Da gibt's nichts zu beschönigen. Früher war ich eher bei 3-4 Feierabendbier, aber mit zunehmendem Alter (bin jetzt 33), merke ich, dass ich das immer schlechter vertrage. Komme aus einer Familie mit vielen Alkoholikern und habe selbst eine Tendenz zu Suchtverhalten, daher ist das alles doppelt gefährlich.


Immerhin, meine tägliche Menge an Alkohol ist noch niedrig genug, dass ich am nächsten Tag halbwegs fit bin. Meine Leberwerte sind voll im Ordnung, habe zwar leichten Bluthochdruck (nehme Blutdrucksenker), sonst geht's mir aber körperlich gut. Der Bluthochdruck kann genauso gut von meinem Job kommen, bin dauerhaft gestresst und immer nahe am Burnout.

Ich leide seit vielen Jahren auch an Depressionen. Habe eine Therapie versucht, Medikamente genommen, aber dauerhaft hat nichts geholfen. Alkohol holt mich abends immer so gut runter und hilft mir, für ein paar Stunden alles zu vergessen und einfach zu entspannen. Dabei ist die Droge auch nicht so überwältigend, dass ich raus aus dem Leben bin oder peinlich auffalle. Es ist meine kleine Belohnung am Abend, nach vielen Stunden Dauerstress. Ich weiß, dass ich mit dem Feuer spiele, aber nach 12 Jahren täglich Trinkens kann ich zumindest mit gewisser Erfahrung sagen, dass ich beim ersten größeren Rückschlag/Trauer (davon gab's einiges) die Kontrolle über das Trinken verliere. Beruflich hatte mein Alkoholkonsum nie Probleme verursacht, und auch persönlich hat es außer einer gewissen Dünnhäutigkeit eigentlich nie Probleme gegeben. Komplettabstürze gibt es extrem selten und dann auch nur, wenn ich doch noch mal was anderes als Alkohol und Gras zu mir nehme. Und aufgrund meiner Lebensumstände passiert das vielleicht noch einmal im Jahr und dann eh nur an Orten und Situationen wo niemand aus meinem Umfeld je davon etwas mitbekommt.

Ich will Alkohol nicht schön reden, aber zumindest mir scheint er zu helfen. Glaube ich zumindest.
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Re: Nach einmaligen Alkoholkonsum wieder abhängig?

Beitrag von Space Lord »

Matabenem hat geschrieben: 15.09.2026 - 13:38
Ich will Alkohol nicht schön reden, aber zumindest mir scheint er zu helfen. Glaube ich zumindest.
Ich muss dich leider enttäuschen.
Dass du das Gefühl hast, dass Alkohol dir hilft, glaube ich dir sofort. Davon war ich auch immer überzeugt.
Leider hat Alkohol keinerlei therapeutischen Nutzen. Kein vernünftiger Neurologe dieser Welt wird dir raten regelmäßig Alkohol zu trinken um psychische Probleme zu verbessern.
Alkohol ist ein Depressivum. Er macht auf Dauer depressiv. Weil er das Belohnungssystem umbaut und du permanent mit zu niedrigem Dopaminpegel durch den Tag läufst. Irgendwann teilt sich dein Tag in die Phase auf in der du den Alltag erträgst und in die Phase ab der du endlich dein Feierabendbier trinken darfst um das Gefühl zu bekommen, dass der Alkohol dir hilft. Das nüchterne Leben wird dann immer trauriger und langweiliger, Dinge die vorher nüchtern Spaß gemacht haben sind irgendwann uninteressant.
Das geht ganz langsam und passiert lange bevor Du wirklich alkoholabhängig bist und du Mengen trinkst, die unsere Gesellschaft für völlig normal hält.
Ich habe das 36 Jahre lang gemacht.
Du schreibst, dass du depressiv bist. So lange du dich weiter mit Alkohol belohnst wird es sehr schwierig daran etwas zu verändern. Ein teinkendes Gehirn ist ziemlich resistent gegenüber Therapien, das ist auch der Grund warum man Menschen die trinken in entsprechenden Therapien als allererstes trocken legt bevor man die Therapie beginnt.
Wenn du aufhörst regelmäßig zu trinken wirst du nicht automatisch alle deine Probleme los. Du bekommst aber die Chance ernsthaft daran zu arbeiten und das ist sehr viel wert.

Solange du Alkohol als eine Art Medikament gegen deine Probleme bewertest nützen aber all meine Worte nichts.
Ich kann dir nur garantieren, dass ein Leben ohne Alkohol so unendlich viel mehr Qualität hat. Echte Gefühle statt gefälschtes Glück, wirkliche Entspannung statt Betäubung, Selbstbewusstsein statt Enthemmung usw. Das allerbeste ist allerdings das Selbergefühl das du sehr schnell wieder bekommst und auch der Stolz auf dich selbst.
Alkohol gibt dir immer nur ein Fake von dem was er dir eigentlich verspricht. Und irgendwann ist das ganze Leben nur noch ein Fake.
Du kannst jetzt natürlich sagen lieber ein Fale statt gar nichts.
Das schlimme ist aber, dass du immer mehr verlernst wie es ohne diese Krücke geht je länger du dich auf sie verlässt. Und irgendwann geht dann halt gar nichts mehr ohne diese Krücke.

Solltest du dir wirklich Sorgen um deinen Komsum machen und die Vorstellung nie wieder Alkohol zu trinken dir Angst machen, hab ich folgenden Vorschlag:
Trink einen Monat lang keinen Alkohol. Das schafft eigentlich jeder in deiner Situation. Stellst du dann fest, dass es dir viel besser geht,, dann mach 3 Monate draus. Dann kannst du 6 Monate und danach ein Jahr draus machen. Das nimmt den Druck und nach einem Jahr hast du alle Termine, die man angeblich ohne Alkohol nicht machen kann einmal erlebt und gelernt, dass es sehr wohl ohne Alkohol geht. Wenn du dir solche Etappen setzt, dann nimmt das sehr viel Druck raus.
Ich hab nach dem ersten Monat so richtig gesoffen weil ich mich belohnen wollte. Das war so widerlich und erbärmlich, dass ich wusste, dass es keinen Wert mehr hat. Ob das ratsam ist weiß ich nicht.

Ansonsten hilft es sehr sich zu informieren. Lerne alles über Alkohol was du kannst, schau dir die zahlreichen Videos zu dem Thema an die es mittlerweile gibt. Mir haben die Interviews mit Menschen sehr geholfen, die erfolgreich aufgehört haben zu trinken und von ihrem Schicksal berichtet haben.

Und mach kein riesen Ding draus. Du musst dich nicht als trockener Alkoholiker stigmatisieren. Du legst eine schlechte Angewohnheit ab weil du erkannt hast, dass sie dir schadet. So wie manche Menschen aufhören Fleisch zu essen oder ihr Auto verkaufen. Mehr ist es nicht. Bei jeder anderen Droge würden dir die Leute auf die Schulter klopfen für deine kluge Entscheidung.
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Re: Nach einmaligen Alkoholkonsum wieder abhängig?

Beitrag von Space Lord »

Matabenem hat geschrieben: 15.09.2026 - 13:38
Ich will Alkohol nicht schön reden, aber zumindest mir scheint er zu helfen. Glaube ich zumindest.
Oder kurz zusammen gefasst:
Bier hilft dir dein Leben mit Bier zu ertragen.
Mehr nicht.