Erstmal: Ich habe das selbe Trinkmuster wie du. Nur nach Feierabend, nur Bier und keine körperliche Abhängigkeit. Trinke täglich meine 2-3 Feierabendbier. Manchmal sind es 4, manchmal nur 1 und alle 1-2 Wochen mache ich für 1-2 Tage Pause. 1-2 Mal pro Woche kiffe ich dazu. Das ist definitiv riskant und eigentlich scheiße. Da gibt's nichts zu beschönigen. Früher war ich eher bei 3-4 Feierabendbier, aber mit zunehmendem Alter (bin jetzt 33), merke ich, dass ich das immer schlechter vertrage. Komme aus einer Familie mit vielen Alkoholikern und habe selbst eine Tendenz zu Suchtverhalten, daher ist das alles doppelt gefährlich.Space Lord hat geschrieben: 15.09.2026 - 11:31Ja ich weiß, unsere Gesellschaft ist geradezu besessen von Alkohol.CarlosCumstar hat geschrieben: 15.09.2026 - 10:54
Der Alkohol ist da. Er ist überall um mich herum. Ich kann ihm aus dem weg gehen, aber ich sehe ihn trotzdem immer.
Bei mir war aber irgendwann der Punkt erreicht an dem mich das eher motiviert hat anstatt es mir schwer zu machen.
Dieser alkoholisierten Gesellschaft den Mittelfinger zu zeigen kann durchaus Spaß machen.
Vermutlich kennst du die ganzen Argumente, aber diese zwei Leichtbiere reichen aus, um deine Schlafqualität deutlich zu verschlechtern. Du wachst am nächsten Tag definitiv unerholter auf, der Cortisolpegel ist erhöht und dein Gehirn regelt auch bei moderatem Dauerkonsum den Dopaminpegel runter (Homöostase). Der nächste Tag wird also anstrengender und du bist dann Abends erschöpft und die zwei Leichtbiere fegen das alles sehr zuverlässig weg. Dein Gehirn macht dann einen Lernfehler und verbindet die zwei Leichtbiere mit Entspannung und Lebensqualität, dabei sind sie die Ursache dass du sie überhaupt trinken musst.Aber meine 2 leichte am abend sind mir echt eine lebensquali bereicherung.
Zumindest bei mir habe ich festgestellt, dass Alkoholkonsum nur dann wirklich Spaß macht, wenn man regelmäßig (auch moderate Mengen) trinkt. Hat sich dein Gehirn erstmal dran gewöhnt, nicht mehr regelmäßig manipuliert zu werden, dann empfinden die meisten die Wirkung von Alkohol eher als Vergiftung und nicht als Entspannung oder Lebensqualität. Schon alleine die motorische Beeinträchtigen sind äußert unangenehm wenn man sie nicht mehr gewohnt ist.
Das einzige was wirklich hilft ist eine komplette Neubewertung dieser Droge. Anstatt sie als ein angenehmes Entspannungsmittel zu bewerten sollte man sie als ein Zellgift betrachten, welches nichts im Körper verloren hat. Dann geht es auf einmal sehr einfach und man vermisst überhaupt nichts.
Für mich bedeutet Lebensqualität, dass ich morgens in den Spiegel schauen kann ohne zu denken "nicht schon wieder", ein gesundes Selbstwertgefühl ist unbezahlbar. Sonntag morgen spazieren gehen anstatt jammernd im Bett zu liegen ist ebenfalls Lebensqualität. Mein erhöhter Blutdruck ist genauso verschwinden wie mein Prädiabetes und die Fettleber. Meine Psyche ist viel stabiler geworden weil es nicht immer dieses Auf und Ab zwischen Rausch und Kater gibt. Und so weiter und so fort.
....
Wie du mit Alkohol umgehst musst du natürlich selbst entscheiden.
Sollte die Nachteile größer sein als die Vorteile, dann ist eine Abstinenz absolut der einfachste Weg.
In meinem Fall fand ich die Auswirkungen auf die Psyche viel schlimmer als die körperlichen.
Ich war nie körperlich abhängig, konnte immer Pause machen, hab nur nach Feierabend getrunken und fast nur Bier. Das ganze aber halt 36 Jahre lang.
Hab dabei verlernt meine Emotionen zu regulieren und hatte am Ende eine Depression von dem Mist. Meine Ehe hat es auch sehr belastet, wer regelmäßig Alkohol trinkt wird dünnhäutig, empfindlich und voller Selbstmitleid.
Bin einfach nur froh, dass ich mich nicht mehr regelmäßig vergiften muß um mir vorzumachen, dass das irgendwas mit Genuß oder Spaß zu tun hat.
Immerhin, meine tägliche Menge an Alkohol ist noch niedrig genug, dass ich am nächsten Tag halbwegs fit bin. Meine Leberwerte sind voll im Ordnung, habe zwar leichten Bluthochdruck (nehme Blutdrucksenker), sonst geht's mir aber körperlich gut. Der Bluthochdruck kann genauso gut von meinem Job kommen, bin dauerhaft gestresst und immer nahe am Burnout.
Ich leide seit vielen Jahren auch an Depressionen. Habe eine Therapie versucht, Medikamente genommen, aber dauerhaft hat nichts geholfen. Alkohol holt mich abends immer so gut runter und hilft mir, für ein paar Stunden alles zu vergessen und einfach zu entspannen. Dabei ist die Droge auch nicht so überwältigend, dass ich raus aus dem Leben bin oder peinlich auffalle. Es ist meine kleine Belohnung am Abend, nach vielen Stunden Dauerstress. Ich weiß, dass ich mit dem Feuer spiele, aber nach 12 Jahren täglich Trinkens kann ich zumindest mit gewisser Erfahrung sagen, dass ich beim ersten größeren Rückschlag/Trauer (davon gab's einiges) die Kontrolle über das Trinken verliere. Beruflich hatte mein Alkoholkonsum nie Probleme verursacht, und auch persönlich hat es außer einer gewissen Dünnhäutigkeit eigentlich nie Probleme gegeben. Komplettabstürze gibt es extrem selten und dann auch nur, wenn ich doch noch mal was anderes als Alkohol und Gras zu mir nehme. Und aufgrund meiner Lebensumstände passiert das vielleicht noch einmal im Jahr und dann eh nur an Orten und Situationen wo niemand aus meinem Umfeld je davon etwas mitbekommt.
Ich will Alkohol nicht schön reden, aber zumindest mir scheint er zu helfen. Glaube ich zumindest.

