Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Aufhören & Entzug, Entzugstagebuch, Leben ohne Rausch, Suchtverlagerung, etc.

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Yassi♡
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Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Beitrag von Yassi♡ »

Halli Hallo...

Ich habe vor über einem Jahr alle Opioide abgesetzt nach über 15 Jahren Substitution und habe mit subutex ausgeschlichen, zum Schluss dann von 1,4mg kalt runter.
War 14 Tage lang die reinste Hölle.
Gelegentlich Cannabis genutzt zum runter kommen von dem massiven Adrenalin Überschuss und der unzumutbaren Schlaflosigkeit.
Das alles ist jetzt genau ein Jahr her.
Ich bin komplett clean und mir geht es oberflächlich gesehen gut aber ich fühle nichts..... absolut nichts.
Fühle mich allein und leer und alles scheint sinnlos. Ich bin in Psychotherapie und mir ist bewusst das mein Gehirn nach all den Jahren äußerlicher Zufuhr jetzt lernen muss ohne opiate klar zu kommen.... ich war noch nie so depressiv. Ich habe keinerlei suchtdruck. Null.
Wenn ich abschalten will Rauch ich mal n joint und gut isses. Aber diese innere Leere ist so ein ekelhaftes Gefühl. Was kann ich tun?
Hat jemand Erfahrungen nach so langer Zeit mit dem clean sein???
Help....
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Sanzaru
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Re: Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Beitrag von Sanzaru »

Yassi♡ hat geschrieben: 29.09.2026 - 18:50 Was kann ich tun?
Es klingt sehr banal aber sie mit etwas füllen. Ergo versuchen neue Hobbies oder Tätigkeiten zu suchen, die das, was man gesucht hat, zumindest teilweise ersetzen können. Das mag nicht immer gänzlich erfüllend helfen, aber es ist eben besser, als die Alternative. Nichts machen und sich der Einsamkeit hingeben.

Fühlst du dich subjektiv oder objektiv alleine? Ich frage das, weil es einen Unterschied zwischen subjektiver Einsamkeit (sich missverstanden fühlen aber Gesellschaft haben) gegenüber objektiver Einsamkeit (effektiv niemanden/kaum wen haben, der mit einem Zeit verbringt) gibt. Bei letzterem könnte eine Gruppe mit einem ähnlichen Hintergrund (z.B. Narcotics Anonymous) etwas Abhilfe schaffen. Bei ersterem würde mMn. helfen, darüber zu sprechen oder sich einen passenderen Kreis suchen (ich weiss, einfacher gesagt als getan).

Ich hatte zwar nie einen Entzug aber kenne das Gefühl der inneren Leere leider sehr gut. Mir persönlich hilft Austausch darüber, versuchen zu ergründen warum ich das fühle und sich möglichst unter Menschen begeben, auch wenn ich es nicht gerade einfach empfinde. Konsum hilft mir dabei tatsächlich auch gar nicht und in letzter Zeit habe ich auch deutlich weniger Interesse an Konsum wie auch schon weil ich weiss, dass es diese Leere nicht wirklich beseitigt. Ausserdem mache ich in letzter Zeit wieder mehr Sport oder gehe, wenn das nicht geht, zumindest Spazieren. Das sowie Ablenkung (z.B. Arbeit oder eigene Projekte) helfen mir häufiger aus dieser Phase, die bei mir zumindest immer vorübergehend war.

Dir schon mal alles Gute, ich hoffe, du findest deinen Weg hinaus. Und ich hoffe, dass noch jemand schreibt, der mehr Erfahrung in deinem spezifischen Fall hat als ich.

Liebe Grüsse

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Yassi♡
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Re: Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Beitrag von Yassi♡ »

Danke für die Antwort....

Ja das sind alles Dinge die ich schon tue.
Ich habe soziale Kontakte also bin nicht ganz allein und mache Therapie, Sport usw.
Ich glaube ich habe einfach Angst das dieses innere Gefühl so bleibt. Ich habe Angst das ich mich selbst nicht kenne.
Ist das jetzt mein "richtiges Ich"? Oder waren das nur die Opiate ?
Werde ich mich irgendwann normal fühlen?
Wahrscheinlich braucht das alles Zeit ich hab mit 12/13 mit Opiaten begonnen und dann die Substitution von 2012 bis 2025.
Manchmal denke ich es wäre besser gewesen einfach auf Opiaten zu bleiben stabile Erhaltungsdosis.
Ich kann oft keinen klaren Gedanken fassen.
Ich funktioniere einfach mache alles, meinen Alltag aber eher wie ein Roboter.... ohne Gefühl. Es ist furchtbar so bescheuert wie es klingen mag.
Ich wurde gewarnt vor dem Tief was nach dem körperlichen Entzug kommen könnte. Aber diesen völligen Verlust vom Bezug zum Leben an sich. Boar weiss ich jetzt nicht ob das so geil ist. Vielleicht ist das ja mein Suchtdruck nun. Ich habe keine Ahnung mir fehlt oft die Kraft überhaupt darüber zu reden..geschweige denn zu schreiben.
Cannabis geht immer nur ab und zu. Rauche ich zu oft verschlimmert es meine leere etwas.
Weiss gar nicht was ich für Tipps erwarte Vielleicht nur um mal darüber zu reden.
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KingMidas
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Re: Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Beitrag von KingMidas »

Nimmst du irgendwelche sonstigen Medikamente ein und hast du irgendwelche sonstigen Diagnosen?

Meistens hat man als Opiatkonsument schon zugrundeliegende Probleme, bevor man mit dem Konsum überhaupt anfängt - denn Opioide unterdrücken alle möglichen psychischen Leiden exzellent, bis sie sie halt multiplizieren. Beispielsweise (bzw. in meinem Fall jetzt) liegt ein ADHS zugrunde - was statistisch wiederum häufig zusammen mit BPD, Depressionen, Angststörungen auftritt.

Bin gerade auf stationärer Therapie und habe mich diagnostisch abchecken lassen, das hat mir ein ganzes Stück weit die Augen geöffnet. Warst du schon mal irgendwo stationär?

Über 1 Jahr nach Absetzen der Opioide sind deine Symptome wohl nicht ausschließlich mit PAWS (post-akutes Entzugssyndrom) zu erklären - die 15 Jahre Konsum wirken andererseits wohl aber auch jetzt noch nach. Wenn du diese (schweren) depressiven Episoden so nicht kennst und sie nicht nach wenigen Wochen wieder spürbar besser werden, solltest du mMn einen stationären Aufenthalt in Betracht ziehen. Ehemalige Opioidabhängige haben meiner Erfahrung nach oft mit hartnäckigen Depressionen zu kämpfen - dein Erleben ist also nichts ungewöhnliches, sollte aber dennoch Ernst genommen werden :ok:
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Space Lord
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Re: Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Beitrag von Space Lord »

Hast du schon mal über eine etwas längere Reise nachgedacht?
Ich weiß, sowas muss man sich finanziell und zeitlich leisten können.
Aber mir helfen ein paar Wochen im Ausland immer sehr, mein Leben und meinen Alltag in Deutschland neu zu bewerten. Man kann sich auf einer Reise komplett neu erfinden und ein ganz anderer Mensch sein der nicht aufgrund seiner Vergangenheit bewertet wird.
Das ist natürlich keine Dauerlösung, aber vielleicht eine gute Gelegenheit aus dem tiefen Loch der Sinnlosigkeit heraus zu finden und hier etwas neues zu beginnen.

Ich hatten nach 36 Jahre Alkoholkonsum massive Probleme einen Sinn in meinem Leben zu finden, zudem sind beide Kinder aus dem Haus und ich habe auf einmal unendlich viel Zeit.
Ich kann dich zumindest ein Stück weit sehr gut verstehen.
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Brant
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Re: Innere Leere nach über 1 Jahr post Entzug.... hilfe

Beitrag von Brant »

Hallo Yassi

Erstmal Glückwunsch zu deinem Mut einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, der das Potential hat dich näher ran an dich selbst und deine Bedürfnisse zu bringen.

Wenn ich mir deine Leere so anschaue so ist sie meiner Meinung nicht nach wirklich leer sondern gefüllt mit Erwartungen, verborgenen Forderungen, wie das Leben gefälligst aussehen sollte. Diese vllt nicht mal konkretisierten Wunschgedanken sind zumeist nicht mit der Realität konform und schaffen so die ganzen Konflikte und Verstimmungen. Denn im Grunde ist kein Gefühl verkehrt, es sind nur die opportunischen Gedanken im Schlepptau.

Ich habe herausgefunden das ich am besten fahre wenn ich die Merksätzen befolge: "Richte dich nach dem Leben, denn das Leben richtet sich nicht nach dir und deinen Vorstellungen".
Das schafft denn nötigen "Inneren Raum" von dem aus ich gelassener die Nichtigkeiten der Welt sehen oder auch ertragen kann.

Take it easy